Hier ist mein Beitrag zum Tribute-Thread. Ich habe meinen Brief an Christian Bömkes etwas überarbeitet, so dass es jetzt kein Brief mehr ist. Ich denke, so kann er auf Scorpis Blog.
Ich bin eigentlich kein Musikfreak, aber zu Winterkinder muss ich einfach was schreiben.
Ich finde, das Lied ist genial und ein Juwel. Es ist das Beste, was ich von Wink und Godoj bisher gehört habe. Es ist ein Lied, das zu präsentieren Thomas und seine Band stolz sein können.
Warum? Wenn man mal das Lied hört, ohne auf den Text zu achten, hat das Lied in meinen Ohren eine eingängige, gefällige Melodie. Etwas traurig, aber dennoch kraftvoll und mit wunderschönen Gitarreneffekten. Besonders die hohe Gitarrenbegleitung beim Refrain geht mir unter die Haut. Sie hat fast was Sakrales.
Der Text spricht in einer unglaublichen Direktheit das Thema sexuellen Missbrauch an, was aber vermittelt, dass man solche Dinge aussprechen kann, weil sie ja nun mal geschehen. Bei diesem Thema könnte man vielleicht eine weniger harmonische Melodie als passend vermuten. Die ästhetische Schönheit der jetzigen steht für mich aber für die Hoffnung, ja sogar für den Anspruch auf etwas Heiles, das dem Mädchen im Lied geraubt wird. Dadurch wird das im Text beschriebene Leid umso greifbarer und realer.
Die Kraft, die in der Musik und im Rhythmus steckt, verbinde ich mit der Entschlossenheit, das Unrecht abzulehnen, das beschrieben wird und mit dem Opfer zu fühlen.
Der Text ist auch nicht aufhetzend, er beschreibt einfach was geschieht, und das ist die angemessenste und wirkungsvollste Form, über sexuellen Missbrauch zu sprechen. Diese Sachlichkeit, die überhaupt nicht gleichgültig ist, wird durch den festen Rhythmus unterstrichen. Sexuellen Missbrauch sachlich und angemessen zu thematiseren ist ein sehr schmaler Grat zwischen Verharmlosung und Aufbauschung. Dass dies im Lied optimal gelungen ist, ist eine große Leistung.
Apropos Text: Er ist wunderschön poetisch, und obwohl er die Dinge unverstellt beim Namen nennt "was wir treiben", wahrt er die Würde des Opfers. Die Methaphern "weiße Flügel", "Winterkinder", "Welt war blind" und die Gebetsidee als Beispiele treffen ins Schwarze und berühren zutiefst.
Thomas Gesangsleistung in diesem Lied ist bewundernswürdig. Er ist absolut glaubwürdig in seiner Interpretation und bringt die Emotionen, die jeweils gesungen werden, mit hoher Intensität rüber. Die Idee mit dem Shouten im Hintergrund und der Abschlussgrowl bringen das Leid, (über) das gesungen wird, mitten ins Herz.
Insgesamt passt alles perfekt zusammen und macht ein unwiderstehliches Lied aus, wenn man bereit ist, sich auf diese Intensität einzulassen.
Ich bin Psychotherapeut und arbeite in einer Gewaltberatungsstelle. Auch mit diesem Hintergrund kann ich als Fachkraft sagen, dass der Song ein wertvoller Beitrag zum Thema des sexuellen Kindesmissbrauchs ist.
Vielen Dank dafür. Ich freue mich, dass es gelungen ist, ihn zu veröffentlichen und ich glaube, dass er ein großes Publikum finden wird.
