Mädels.... das Leben schreibt Geschichten....
mit ausdrücklicher Erlaubnis des Verfassers hier reingestellt,
der Konzi-Bericht eines Thomaten-GG
Hallo ....,
... hat mich doch überzeugt, ins Thomzert zu gehen und dann habe ich
sie nach Saarbrücken begleitet. Anbei meine Eindrücke.
.....
Chinesische Übungen
Der Saal füllt sich langsam und das Publikum scheint nach dem eher
mäßigen Vorband wieder aufzuwachen. Er ist nicht voll aber gut besucht
und die Leute nehmen Stellung so nah zur Bühne, wie sie nur können. Der
ersehnte Showmaster kommt gejubelt endlich raus, stellt sich dem
Publikum gegenüber und hebt beide Hände nach oben. Bevor sie aber ganz
hoch kommen, ragen hunderte andere Hände Richtung Himmel. Er initiiert
eine Bewegung nach Links und die Hände bewegen sich synchron mit ihm.
Sie machen ihm nicht nach, die machen einfach mit. Wow! Dieses Publikum
ist aber gut eingespielt. Sind wir auf Tiannanmen bei chinesischen
Volksübungen? Nein, muss ich mich besinnen, wir sind bei einem Konzert
von Thomas Godoj, von Thomas Godoj und Band, wohl bemerkt, aber das
Publikum hat die Band noch nicht wahrgenommen. Sie haben nur Augen und
Ohren für Thomas. Wahrscheinlich bleibt den ganzen Abend auch so.
Die erste Akkorden klingen im Raum und das Publikum bebt. Spätestens in
fünf Sekunden springen und jubeln und singen alle wie frenetisch.
Moment, einige Augenblicke vorher waren lauter kleine Kreise von
meistens Frauen, die die letzte Anekdoten der Tour austauschten und
jetzt haben sie sich alle von einem Moment auf dem anderen in hüpfende
Zöpfe verwandelt. Wie macht er das? Ich muss ihn unbedingt nachfragen.
Nach den ersten Nummern kommt die Stimmung einfach nicht zur Ruhe. Die
Leute hüpfen und singen weiter. Sie schreien nicht hysterisch. Die
meisten singen das ganze Lied durch, mal lauter, mal leiser, und lassen
sich von der Musik und von dem Rhythmus treiben, und von seiner Stimme.
Ja, er hat ein bemerkenswerte Stimme und er weiß, sie zu benutzen. Die
Stimme scheint ganz tief durchzudringen. Bald ist sie überall und füllt
den ganzen Raum. Und er hat dazu gelernt. Ich hatte die Gelegenheit, ihn
vor einem Jahr in Frankfurt zu erleben und damals hatte er weder dieses
Selbstbewusstsein auf der Bühne noch dieses vertrautes Verhalten mit
seinem Publikum.
Es ist ein merkwürdig gemischtes Publikum, zu etwas mehr als drei
viertel weiblich. Die Männer, die wie ich Netterweise Begleitung oder
Gesellschaft leisten oder aus Neugier gekommen sind, können einfach
nicht mithalten. Einige wenige singen und die meisten lächeln. Bei so
einer Quelle von Freude und Energie rum herum kann man nicht einfach
stehen bleiben. Erstaunlich. Die Frauen, von ganz alt bis ganz jung, und
beides ist überhaupt nicht übertrieben, scheinen die Welt vergessen zu
haben. Vielleicht sind sie deswegen gekommen. Aber es ist nicht nur
Thomas. Es gibt noch etwas. Es ist die Atmosphäre im Raum, das
gemeinsame Erlebnis im bekannten und vertrauten Kreis, was das ganze
vollendet. Ein kollektiver, musikalischer Rausch. Ich habe es erlebt
aber erklären kann ich es mir immer noch nicht.
Es kommt der Höhepunkt des Abends: Thomas kündigt ein ganz neues Lied an
und erhofft sich die Gunst des Publikums. Er fängt das Lied an und das
Publikum um mich herum tobt und hört nicht nur aufmerksam zu. Sie singen
mit! Hat er nicht gerade gesagt, dass es ein neues Lied ist? Irgendwas
muss ich verpasst haben. Das Lied hört auf. Na ja, Thomas hört auf aber
das Publikum singt weiter ohne ihn. Thomas lacht und lässt sie einfach
weiter singen. Der Bassist hat nie aufgehört zu spielen und begleitet
leise dem Publikum mit der Gitarre und langsam kommen alle andere
Musiker dazu. Irgendwann kann sich Thomas auch nicht widersetzen und
singt mit einem Lachen im Gesicht noch lauter als vorher mit. Eigentlich
brauchen sie Thomas überhaupt nicht, habe ich gedacht. Oder doch?
Zwischendurch sieht sich Thomas verpflichtet, ein paar Worte zu seinem
Publikum zu widmen. Das sollte er lieber belassen. Singen kann er
durchaus. Reden kann er aber nicht. Und zum Schluss hat er noch eine
heiße Nummer parat: Er klettert eine metallene Säule der Bühne bis zur
Hälfte empor, überprüft die Situation, genießt den Ausblick, hält seinen
Schwindel zurück und singt fest umklammert das nächste Lied. Manch eine
zittert von Angst da unten und manch eine wünscht sich bestimmt heimlich
die Säule zu sein. Die Nummer habe ich schon irgendwo gesehen. Wo hat er
das bloß kopiert? Der kommt mitten im Lied ganz zufrieden mit sich
selbst runter, wie ein Kind. Es macht ihm anscheinend Riesenspaß.